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Heuanalyse beim Pferd: Warum du dein Heu analysieren lassen solltest

Von Rationsrechner Pferd Redaktion5 Min. Lesezeit
Heu in der Nahaufnahme — Heuanalyse Pferd

Zwei Pferdebesitzer aus demselben Stall füttern dasselbe Heu, von derselben Wiese, aus demselben Erntejahr. Einer hat eine Heuanalyse machen lassen, der andere nicht. Der erste weiß, dass sein Heu 9,0 MJ DE/kg TM liefert, 10,3 % Rohprotein enthält, 4,5 g Calcium pro Kilogramm Trockenmasse und 14,8 % NSC. Der zweite schätzt, vermutet und hofft. Ohne Analyse ist jede Rationsberechnung eine Näherung. Mit Analyse wird sie zu einer fundierten Grundlage.


Warum schwanken Heu-Nährstoffe so stark?

Heu ist kein standardisiertes Produkt. Es ist getrocknetes Gras, und Gras variiert erheblich:

  • Standort und Bodenqualität: Kalkhaltige Böden produzieren calcium- und magnesiumreicheres Heu als saure Sandböden. Selenarme Böden (weit verbreitet in Deutschland) liefern selenarmes Heu.
  • Pflanzenbestand: Ein Schnitt von einer gedüngten Weizenwiese mit viel Knaulgras ist anders zusammengesetzt als Heu von einer artenreichen Mähwiese.
  • Schnittzeitpunkt: Frühschnitt (Mai) liefert proteinreicheres, energiereicheres Heu; Spätherbstschnitt ist faserhaltiger und energieärmer.
  • Wetter während der Ernte und Trocknung: Regen auf dem Schwad wäscht wasserlösliche Nährstoffe (Zucker, Kalium, bestimmte Vitamine) heraus. Zu langes Trocknen auf der Fläche baut Vitamin E ab.
  • Lagerdauer: Vitamin E und lösliche Kohlenhydrate nehmen während der Lagerung ab. Ein Heu, das 12 Monate liegt, ist anders zusammengesetzt als Frischheu.

Das Ergebnis: Selbst wenn zwei Heuballen optisch identisch aussehen, können ihre Nährstoffgehalte um 50 % oder mehr auseinandergehen. Ohne Analyse weißt du nicht, was dein Pferd tatsächlich bekommt.


Was misst eine Heuanalyse?

Eine Standard-Pferdefutter-Heuanalyse (z.B. über LUFA-Institute) umfasst typischerweise diese Parameter:

ParameterAbkürzungBedeutung
TrockenmasseTMWassergehalt — Heu sollte >86 % TM haben, sonst Schimmelrisiko
Umsetzbare EnergieME (MJ/kg TM)Energiedichte — Grundlage für Energiebilanz
RohproteinXPGesamtproteingehalt — Qualität hängt von Aminosäurenprofil ab
RohfaserXFGrober Fasergehalt — Hinweis auf Verdaulichkeit
NDF / ADFNDF, ADFDetailliertere Faseranalyse — NDF = Zellwandfasern gesamt
RohascheXAMineralstoffgehalt gesamt
CalciumCaMengenelement, Ca:P-Verhältnis relevant
PhosphorPMengenelement
MagnesiumMgMengenelement
NatriumNaElektrolyt
NSCNSC (%)Zucker + Stärke + Fruktane — entscheidend bei EMS/Hufrehe
KaliumKHoher K-Gehalt hemmt Mg-Absorption

Erweiterte Analysen umfassen auch Spurenelemente (Zn, Cu, Se, Fe, Mn), besonders sinnvoll, wenn du Mängel vermutest oder das Heu aus einer Region mit bekannten Bodendefiziten kommt.


Wie nimmst du eine Probe?

Die Qualität einer Heuanalyse hängt davon ab, wie repräsentativ die Probe ist. Ein Messergebnis aus einem einzelnen Ballen sagt wenig über die gesamte Lieferung.

Genaueste Methode: Kernbohrung (Heu-Kernprober)

Ein zylindrischer Bohrstab (30–60 cm lang) wird entlang der Ballen-Achse eingebohrt und extrahiert einen Kern aus dem Inneren. Diese Methode ist deutlich repräsentativer als das Herausnehmen von Heu von der Oberfläche, da das Innere der Ballen anders trocknet als die Außenschicht.

Vorgehen:

  1. Proben aus mindestens 10–15 Ballen derselben Lieferung ziehen
  2. Proben mischen und aus der Mischung eine Teilprobe von ~200–500 g entnehmen
  3. In einem Probenbeutel (oft vom Labor mitgeliefert) luftdicht verschließen
  4. Zeitnah einsenden (nicht mehrere Wochen warten: Feuchte und Oxidation verändern die Probe)

Bei Rundballensilage (Heulage): Probenahme aus dem Kern schwieriger. Hier gibt es speziell ausgestattete Dienste, oder du nimmst eine Probe beim Anschneiden frisch aus dem Ballen-Inneren.


Labore und Kosten

In Deutschland analysieren vor allem die LUFA-Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten Pferdeheu. Es gibt regionale LUFA-Institute in verschiedenen Bundesländern (NRW, Bayern, Thüringen, Niedersachsen, etc.).

Typische Kosten:

  • Basisanalyse (TM, ME, XP, XF, XA, Ca, P, Mg, NSC): ~30–50 EUR
  • Erweiterte Analyse inkl. Spurenelemente: ~60–90 EUR
  • Volle Mineralstoffanalyse für die Rationsberechnung: ~80–120 EUR

Für eine einzelne Heulieferung ist das eine einmalige Investition, die die gesamte Fütterungsstrategie für mehrere Monate fundiert.

Wann analysieren? Bei jeder neuen Heulieferung oder jedem neuen Erntejahr. Heu von verschiedenen Schnitten derselben Wiese kann sich deutlich unterscheiden.


Ergebnisse interpretieren: TM-Basis vs. Frischmasse

Das klingt simpel, ist es aber nicht: Laborergebnisse werden fast immer auf Trockenmasse-Basis (TM-Basis) angegeben. Das ist für die Rationsberechnung die richtige Grundlage, aber du musst verstehen, was das bedeutet.

Beispiel:

  • TM-Gehalt: 88 %
  • Rohprotein: 10,3 % TM

Das bedeutet: In 1 kg Frischheu (so wie es aus dem Ballen kommt) sind 880 g Trockenmasse. Der Rohproteingehalt bezieht sich auf diese 880 g TM, nicht auf das Gesamtgewicht des Frischheues.

Rechnung für 1 kg Frischheu:

  • 0,88 kg TM × 10,3 % = 0,091 kg = 91 g Rohprotein je kg Frischheu

Wenn du 10 kg Frischheu pro Tag fütterst:

  • 10 × 91 g = 910 g Rohprotein täglich

Diese Umrechnung macht ein Rationsberechnungstool automatisch: du gibst Frischmasse ein, das Tool rechnet auf TM-Basis.


Wie fließt die Heuanalyse in die Rationsberechnung ein?

Auf rationsrechner-pferd.de kannst du eigene Heuanalyse-Werte eingeben. Anstatt mit Durchschnittswerten aus der Datenbank zu rechnen, nimmst du die tatsächlichen Werte deines Heus.

Das erhöht die Genauigkeit der Rationsberechnung erheblich, besonders für:

  • NSC-Berechnung bei EMS- und Hufrehe-Pferden
  • Mineralstoffbilanz (Ca, P, Mg)
  • Energieversorgung bei Hochleistung oder Gewichtsmanagement

Ration mit eigenen Heuanalysewerten berechnen →


Heulage und Silage: Was ist anders?

Heulage (Rundballensilage): Leicht angewelktes Gras (40–55 % TM), luftdicht eingewickelt, fermentiert. Energiereicher als Heu, aber NSC kann variieren. Schimmelgefahr bei beschädigter Folie. Analyse noch wichtiger als bei Heu, da Qualität schwerer einzuschätzen.

Grassilage: Frischer einsiliert (25–35 % TM), feuchter, sehr energiereich, oft nicht für Pferde geeignet (Clostridiengefahr, zu hohe Fermentationsprodukte). Grundsätzlich: für Pferde nur gut gemachte Heulage, keine Grassilage.


Zusammenfassung: Wann lohnt sich eine Heuanalyse?

Und das hat einen Grund: Immer, aber besonders wenn:

  • Du ein Pferd mit EMS, Hufrehe, PPID oder anderen Stoffwechselerkrankungen hast
  • Dein Pferd Nährstoffmangel-Symptome zeigt (stumpfes Fell, schlechte Hufqualität, Gewichtsverlust)
  • Du das Heu aus einer anderen Quelle beziehst als bisher
  • Du mit dem Rationsrechner wirklich präzise arbeiten willst

Die Investition von 40–80 EUR für eine Analyse ist gering im Vergleich zu monatelang verschwendetem Mineralfutter oder einer vermeidbaren Kolik.

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Grundlagen der Rationsberechnung: Pferdeernährung berechnen →

Alle Berechnungen basieren auf dem GfE-2014-Standard. Heuanalyse-Werte können von Labor zu Labor geringfügig abweichen.

Quellen

  • Heuanalyse-Kernbohrung als genaueste Probenentnahmemethode: National Forage Testing Association (NFTA): Forage Sampling Procedures. Empfohlen auch von LUFA-Instituten für Grundfutteranalysen.
  • TM-Basis vs. Frischmasse-Basis bei Futteranalysen: Coenen, M. & Vervuert, I. (Hrsg.): Pferdefütterung, 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 2020.
  • GfE-2014-Richtwerte als Referenz für Heuqualitätsbewertung: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
  • NSC-Gehalt im Heu: 5–15 % (Orientierungswert; stark abhängig von Erntezeitpunkt und Aufwuchs): Longland, A.C. & Byrd, B.M. (2006): Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis. Journal of Nutrition, 136(7 Suppl), 2099S–2102S.