Ca:P-Verhältnis beim Pferd: Was du wissen musst

Dein Pferd bekommt täglich Kraftfutter, und trotzdem macht dir der Hufschmied auf die Hornqualität aufmerksam. Du hast Kalzium im Futter. Aber das Ca:P-Verhältnis entscheidet darüber, wie viel davon dein Pferd wirklich aufnimmt.
Was ist das Ca:P-Verhältnis?
Calcium (Ca) und Phosphor (P) arbeiten im Pferdekörper als Team. Calcium ist der mengenmäßig wichtigste Mineralstoff im Körper: Es bildet die Grundlage von Knochen und Zähnen, ist für die Muskelkontraktion notwendig, reguliert den Herzrhythmus und spielt eine zentrale Rolle im Nervensystem. Ohne ausreichend Calcium können Muskeln nicht richtig arbeiten und das Skelett wird brüchig. Phosphor ist ebenfalls in Knochen und Zähnen enthalten, aber auch ein Schlüsselbaustein für Energiestoffwechsel, Zellteilung und die DNA-Synthese.
Das Problem: Diese beiden Mineralstoffe konkurrieren um dieselben Aufnahmetransporter im Dünndarm. Ist zu viel Phosphor vorhanden, verdrängt er Calcium aus der Absorption. Das Pferd kann dann nicht genug Calcium aufnehmen, auch wenn die absolute Menge in der Ration ausreichen würde. Deshalb kommt es nicht nur auf die absolute Menge jedes Nährstoffs an, sondern auf ihr Verhältnis zueinander. Ein ungünstiges Verhältnis über längere Zeit führt zu schleichenden Mangelerscheinungen.
GfE-2014-Richtwert
Der GfE-2014-Standard (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie) gibt für ein gesundes, adultes Pferd folgendes Verhältnis vor:
| Situation | Ca:P-Richtwert |
|---|---|
| Normales adultes Pferd | 1,5 : 1 bis 2 : 1 |
| Wachsendes Jungpferd | 1,5 : 1 bis 2 : 1 |
| Tragende Stute (letztes Drittel) | 1,5 : 1 bis 2 : 1 |
| Oberes Limit (kurzzeitig toleriert) | bis 3 : 1 |
| Kritische Grenze (unbedingt vermeiden) | unter 1 : 1 |
Quelle: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, Frankfurt 2014.
Ein Verhältnis unter 1:1 bedeutet: mehr Phosphor als Calcium. Das beeinträchtigt die Knochengesundheit dauerhaft, besonders bei Jungpferden und trächtigen Stuten. Viele Pferdebesitzer wissen gar nicht, dass ihr Pferd ein Problem hat, weil die Symptome erst nach Wochen oder Monaten sichtbar werden. Das macht eine regelmäßige Rationskontrolle sinnvoll: Versorgungslücken lassen sich frühzeitig erkennen, bevor sie sich über lange Zeit aufaddieren.
Welche Futtermittel verschieben das Verhältnis?
Heu hat von Natur aus ein günstiges Ca:P-Verhältnis. Getreide nicht.
| Futtermittel | Ca:P-Verhältnis (typisch) | Tendenz |
|---|---|---|
| Wiesenheu | 1,5 : 1 bis 2,5 : 1 | Günstig |
| Luzerneheu | 4 : 1 bis 6 : 1 | Sehr calciumreich |
| Hafer | ca. 0,2 : 1 | Stark phosphorbetont |
| Gerste | ca. 0,2 : 1 | Stark phosphorbetont |
| Mais | ca. 0,1 : 1 | Sehr stark phosphorbetont |
| Kleie (Weizen) | ca. 0,1 : 1 | Extremes Phosphorübergewicht |
| Mineralfutter (calciumreich) | variiert | Korrektiv |
Orientierungswerte; genaue Gehalte variieren je nach Ernte, Boden und Verarbeitung.
Die Konsequenz: Wer täglich 2–3 kg Hafer füttert ohne Calciumergänzung, verschiebt das Gesamtverhältnis der Ration erheblich in Richtung Phosphorüberschuss. Je mehr Getreide, desto stärker der Effekt. Ein Pferd, das beispielsweise täglich 3 kg Hafer plus 8 kg Heu erhält, bekommt ein Verhältnis, das deutlich unter 1:1 liegt – genau im kritischen Bereich. Besonders problematisch wird es, wenn Getreide mit phosphorreichen Zusätzen wie Kleie kombiniert wird.
Ein Sonderfall: Phytat-Phosphor in Getreide
Nicht jeder Phosphor im Futter wird gleich gut aufgenommen. In Getreide liegt der Großteil des Phosphors als Phytinsäure vor: eine Form, die das Pferd deutlich schlechter verdaut als anorganischen Phosphor aus Mineralfutter. Das bedeutet: Der tatsächlich verfügbare Phosphor in einer getreidereichen Ration ist geringer als die Nährstoffanalyse auf den ersten Blick vermuten lässt. Für die Rationsberechnung ändert sich dadurch aber nichts am Vorgehen: du rechnest auf Basis der ausgewiesenen Rohdaten. Denn auch Phytat-Phosphor verdrängt Calcium zumindest teilweise aus der Absorption, und standardisierte Nährwerttabellen (wie jene der GfE-2014) bilden diesen Faktor bereits in den Richtwerten ab.
Der Rationsrechner berechnet das Ca:P-Verhältnis deiner Ration direkt: Verhältnis jetzt prüfen →
Wie erkenne ich ein Problem?
Das klingt simpel, ist es aber nicht: Ein ungünstiges Ca:P-Verhältnis zeigt sich selten sofort. Die Schäden entstehen schleichend.
Typische Zeichen einer langfristigen Calcium-Unterversorgung:
- Schlechte Hufqualität (brüchig, langsam wachsend)
- Erhöhte Anfälligkeit für Knochenprobleme (Lahmheiten, Stressreaktionen)
- Bei Jungpferden: verlangsamte Entwicklung, krumme Gliedmaßen (Osteochondrose)
- Bei trächtigen Stuten: erhöhtes Risiko für Schlepplähmung (hypocalcämische Tetanie)
Warum das so lange unbemerkt bleibt: Calcium wird im Körper streng reguliert. Fällt die Aufnahme aus der Ration über Wochen zu niedrig aus, greift der Organismus auf die Knochenreserven zurück, um den Blutspiegel konstant zu halten. Das Blutbild sieht deshalb lange unauffällig aus. Erst wenn die Knochensubstanz merklich abgebaut wurde, werden Veränderungen sichtbar: als schlechteres Hufhorn, das spröde bricht oder langsam wächst, oder als erhöhte Knochenbruchanfälligkeit, vor allem bei jungen Pferden im Wachstum, deren Skelett noch nicht vollständig mineralisiert ist. Muskelkrämpfe, die sich als Steifheit nach kurzer Arbeit oder als unruhige Muskulatur äußern, können ein weiteres Zeichen sein, da Calcium direkt an der Steuerung der Muskelkontraktion beteiligt ist.
Der entscheidende Punkt: Diese Zeichen entwickeln sich über Monate, nicht über Tage. Wer regelmäßig Getreide füttert und nie die Ration berechnet hat, bemerkt das Problem oft erst, wenn es sich längst in der Substanz des Pferdes niedergeschlagen hat.
Wichtig: Diese Zeichen haben viele mögliche Ursachen. Schlechte Hufqualität kann auch von Hufrehe, Strahlfäule oder mangelhafter Hufpflege kommen. Lahmheiten können von Arthrose, Blockaden oder Verletzungen stammen. Ein schlechtes Ca:P-Verhältnis ist eine der häufigen Ursachen, aber eine Rationsberechnung ist der einzige Weg zur sicheren Diagnose. Wenn dein Pferd mehrere dieser Zeichen zeigt und die offensichtlichen Ursachen ausgeschlossen sind, ist die Ration ein sinnvoller Startpunkt zur Untersuchung.
Was tun bei ungünstigem Verhältnis?
Der erste und unverzichtbare Schritt ist die Rationsberechnung. Ohne konkrete Zahlen weißt du nicht, wie weit dein Verhältnis vom GfE-Richtwert entfernt ist, und damit auch nicht, wie viel du korrigieren musst. Dokumentiere möglichst genau, was dein Pferd täglich frisst: jedes Kilogramm Heu, jede Handvoll Kraftfutter, jede Ergänzung. Bauchgefühl und Erfahrung liefern keinen Ersatz für eine rechnerische Grundlage.
Sobald du siehst, wo das Problem liegt, suchst du die Phosphorquellen. Die schlechtesten Ca:P-Verhältnisse haben Weizenkleie (ca. 0,1:1) und Mais (ebenfalls ca. 0,1:1), dicht gefolgt von Hafer und Gerste (beide ca. 0,2:1). Wer täglich 2–3 kg Kleie oder Getreide füttert, hat das Gesamtverhältnis der Ration damit bereits erheblich in Richtung Phosphorüberschuss verschoben. Die erste Maßnahme ist daher: Kleie streichen oder stark reduzieren. Sie hat kein Alleinstellungsmerkmal, das einen Phosphorüberschuss rechtfertigt: andere Futtermittel liefern Energie ohne diesen Nachteil.
Wenn das Ca:P-Verhältnis trotzdem noch nicht im Zielkorridor (1,5:1 bis 2:1) liegt, ist eine Calciumergänzung der direkteste Weg. Drei bewährte Quellen:
Luzerneheu liefert rund 13–16 g Calcium pro kg Trockenmasse und hat ein Ca:P-Verhältnis von etwa 4:1 bis 6:1. Es ist damit gleichzeitig eine Energie- und eine Calciumquelle, die sich unkompliziert ins Grundfutter integrieren lässt. Wer kein Luzerneheu verfüttert, kann auch Luzernepellets einsetzen (gleiches Profil, gut dosierbar).
Calciumcarbonat (Futterkalk) ist die konzentrierteste Calciumquelle: ca. 380 g Calcium pro kg. Kleine Mengen genügen, um ein rechnerisches Defizit auszugleichen. Es lässt sich problemlos unter das Kraftfutter mischen. Die Dosierung ergibt sich direkt aus der Rationsberechnung: Wenn du weißt, wie viel Calcium fehlt, kannst du auf den Gramm genau ergänzen.
Der GfE-2014-Richtwert nennt 1,5:1 bis 2:1 als Zielbereich für adulte Pferde. Kurzfristig werden Werte bis 3:1 noch toleriert, dauerhaft solltest du aber im unteren Bereich dieses Fensters bleiben: Ein dauerhaft sehr hohes Verhältnis (über 3:1) kann die Phosphorversorgung seinerseits beeinträchtigen.
Weißt du, wie dein Ca:P-Verhältnis aussieht?
Der Rationsrechner berechnet das Ca:P-Verhältnis direkt aus deinen Futtermitteleingaben und zeigt dir, ob es im GfE-Richtwertbereich liegt.
Ca:P-Verhältnis jetzt kostenlos prüfen →
Alle Nährstoffmängel beim Pferd im Überblick: Nährstoffmangel beim Pferd erkennen und beheben →
Alle Berechnungen basieren auf dem GfE-2014-Standard. Konkrete Supplementierungen bitte mit einem zertifizierten Pferdeernährungsberater abstimmen.
Quellen
- GfE-2014-Richtwert Ca:P-Verhältnis: 1,5:1 bis 2:1 (maximal 3:1): GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
- Kalziumbedarf 500 kg Pferd Erhaltung: ca. 30 g/Tag: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
- Phosphorbedarf 500 kg Pferd Erhaltung: ca. 20 g/Tag: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
- Kalziumgehalt Luzerneheu ca. 13–16 g/kg TM: Coenen, M. & Vervuert, I. (Hrsg.): Pferdefütterung, 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 2020.
- Phosphor in Getreide liegt überwiegend als Phytinsäure vor (schlechtere Verfügbarkeit): National Research Council: Nutrient Requirements of Horses, 6th revised edition. National Academies Press, Washington D.C. 2007.