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Nährstoffmängel

Kupfer- und Zinkmangel beim Pferd: Hufqualität, Fellfarbe und mehr

Von Rationsrechner Pferd Redaktion5 Min. Lesezeit
Pferd mit glänzendem Fell: Kupfer- und Zinkmangel beim Pferd

Das Fell verliert seinen Glanz. Die Hufe reißen ein, splittern, wachsen unregelmäßig. Wunden heilen langsamer als früher. Solche Zeichen schiebst du leicht aufs Alter, den Jahrgang oder schlechtes Heu. Hinter einem Teil dieser Symptome steckt aber oft ein kombinierter Kupfer- und Zinkmangel, der häufig unerkannt bleibt, weil beide Spurenelemente im Rationsalltag zu wenig Beachtung finden.


Kupfer: Mehr als nur Fellfarbe

Kupfer (Cu) ist ein Spurenelement, das der Pferdekörper in vergleichsweise kleinen Mengen benötigt, aber dringend. Kupfer ist:

  • Cofaktor von Ceruloplasmin, dem wichtigsten kupferhaltigen Enzym im Eisenstoffwechsel. Ohne Kupfer kann der Körper Eisen nicht aus dem Speicher mobilisieren, selbst wenn genug Eisen vorhanden ist.
  • Notwendig für Kollagen- und Elastinsynthese: Kupfer aktiviert das Enzym Lysyloxidase, das Kollagen vernetzt. Schlechtes Hufhorn und schwaches Bindegewebe sind direkte Folgen unzureichender Kupferversorgung.
  • Beteiligt an der Melaninsynthese: Kupfer ist Cofaktor von Tyrosinase, dem Schlüsselenzym der Pigmentbildung. Kupfermangel führt zu ausgewaschenen, stumpfen Fellfarben, besonders bei dunklen Pferden sichtbar.
  • Bedeutsam für das Immunsystem: Kupfer unterstützt die Funktion von Neutrophilen und T-Lymphozyten.

Zink: Der Huf-Baustein

Zink (Zn) ist unter den Spurenelementen das mengenmäßig wichtigste beim Pferd. Es ist beteiligt an:

  • Hufhornqualität: Zink ist Bestandteil von Keratinstrukturen und für die Zellteilung in der Hufmatrix notwendig. Ein Zinkmangel führt zu schlechter Hufhornqualität, brüchigem Hufhorn und erhöhter Anfälligkeit für White-Line-Disease.
  • Wundheilung: Zink beschleunigt Zellteilung und Gewebereparatur. Langsame Wundheilung ist ein klassisches Mangelzeichen.
  • Immunfunktion: Zink ist notwendig für die Reifung von T-Lymphozyten und die Funktion des angeborenen Immunsystems.
  • Fortpflanzung: Zinkmangel beeinträchtigt die Spermaqualität beim Hengst und kann die Fruchtbarkeit der Stute verringern.
  • Wachstum: Jungpferde mit chronischem Zinkmangel können Gelenkprobleme (vergrößerte Fesselgelenke, Knochenwachstumsstörungen) entwickeln.

GfE-2014-Richtwerte

Pferd (500 kg)Kupfer (Cu)Zink (Zn)
Erhaltungsbedarf100–125 mg/Tag400–500 mg/Tag
In der Futterration (mg/kg TM)10 mg/kg TM40 mg/kg TM
Maximale Toleranz (keine Toxizität)250 mg/kg TM500 mg/kg TM

Nach: GfE 2014. Das Cu:Zn-Verhältnis in der Ration sollte zwischen 1:3 und 1:4 liegen. Erhaltungsbedarf als Orientierungswert nach GfE 2014/NRC 2007.

Bei einer Trockenmasseaufnahme von 10–12,5 kg täglich (2–2,5 % des Körpergewichts) und einem Richtwert von 10 mg Cu / 40 mg Zn pro kg TM ergibt sich für ein 500-kg-Pferd ein Tagesbedarf von rund 100–125 mg Kupfer und 400–500 mg Zink. Standardheu aus Deutschland liefert typischerweise 5–8 mg Cu/kg TM und 20–30 mg Zn/kg TM, oft weniger als die Hälfte des Bedarfs.


Mangelzeichen im Überblick

Kupfermangel-Zeichen:

  • Ausgewaschene, „verblasste" Fellfarbe (besonders bei Braunen und Schwarzen auffällig)
  • Graue oder rötliche Haarspitzen bei dunklen Pferden
  • Schlechte Hufhornqualität, brüchiges Hufhorn
  • Verzögerte Wundheilung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Bei Fohlen: Vergrößerte Gelenke, abnormale Knochenenwicklung (Osteochondrose-Risiko)

Zinkmangel-Zeichen:

  • Brüchiges, rissiges Hufhorn
  • Schlechte Wundheilung
  • Stumpfes, mattes Fell
  • Hautveränderungen (Schuppenbildung, Krusten)
  • Appetitlosigkeit bei stärkerem Mangel
  • Bei Jungpferden: Gelenkprobleme, verlangsamtes Wachstum

Der Eisenantagonismus: Das unterschätzte Problem

Kupfer- und Zinkmangel treten in Deutschland besonders häufig im Zusammenhang mit hohem Eisengehalt in Futter und Wasser auf. Der Zusammenhang:

Eisen, Kupfer und Zink konkurrieren um dieselben Transporter im Dünndarm (DMT1, Ferroportin). Bei einem hohen Eisengehalt in der Ration wird die Absorption von Kupfer und Zink direkt gehemmt, selbst wenn absolut gesehen ausreichend Cu und Zn im Futter vorhanden sind.

Quellen für Eisenüberschuss:

  • Eisenreiche Böden (typisch in Teilen Norddeutschlands, Mittelgebirge): Gras und Heu nehmen Eisen auf
  • Eisenhaltiges Brunnenwasser oder Tränkwasser (besonders auf älteren Höfen mit Eisenleitungen)
  • Hoher Kleieanteil in der Ration (Kleie ist eisenreich)

Die Folge: Das Pferd hat formal ausreichend Kupfer und Zink im Futter, mangelt aber trotzdem, weil das überschüssige Eisen die Aufnahme blockiert. Eine Rationsanalyse ohne Kenntnis des Eisengehalts ist daher unvollständig.

Ähnlich wirkt Schwefelüberschuss im Heu oder Wasser: Sulfide binden Kupfer im Darm und machen es biologisch unverfügbar.


Das Cu:Zn-Verhältnis

Kupfer und Zink brauchen ein ausgewogenes Verhältnis zueinander, idealer Richtwert: 1 Teil Kupfer auf 3–4 Teile Zink. Wird zu viel Zink supplementiert ohne entsprechendes Kupfer, hemmt Zink seinerseits die Kupferabsorption. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Pauschal "viel Zink" oder "viel Kupfer" zu geben, ohne das Verhältnis zu prüfen, kann die Situation verschlechtern statt verbessern. Eine Rationsberechnung zeigt dir, wie das aktuelle Verhältnis in deiner Ration aussieht. In der Auswertung des Rationsrechners erscheint dieselbe Kennzahl als Zn:Cu-Verhältnis — die in der Praxis gebräuchliche Kehrform des hier beschriebenen Cu:Zn-Verhältnisses, mit einem optimalen Bereich von rund 3:1 bis 5:1.

Der Rationsrechner zeigt dir das aktuelle Cu:Zn-Verhältnis in deiner Ration: Jetzt prüfen →


Supplementierung

Konkret bedeutet das: Kupfer und Zink werden typischerweise gemeinsam supplementiert, entweder über ein vollständiges Mineralfutter oder gezielt als Spurenelementmischung.

FormVerfügbarkeit
Kupfersulfat (anorganisch)Weit verbreitet, ausreichend bioverfügbar
Kupferglycin/-chelat (organisch)Besser absorbierbar, weniger durch Antagonisten gehemmt
Zinksulfat (anorganisch)Standard, bioverfügbar
Zinkglycin/-chelat (organisch)Höhere Bioverfügbarkeit, besonders bei eisenreichem Futter sinnvoll

Wer bei eisenreichem Futter oder Wasser supplementiert, profitiert von organisch gebundenen Mineralien, da diese weniger anfällig für Absorptionshemmung durch Antagonisten sind.


Weißt du, wie die Kupfer- und Zinkversorgung deiner Ration aussieht?

Der Rationsrechner berechnet Kupfer- und Zinkversorgung gegen den GfE-2014-Standard, im Premium Report siehst du auch die konkrete Lücke und mögliche Anpassungen.

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Ca:P-Verhältnis als weiteres häufiges Mineralproblem: Ca:P-Verhältnis beim Pferd →

Alle Berechnungen basieren auf dem GfE-2014-Standard. Konkrete Supplementierungen bitte mit einem Tierarzt oder einer zertifizierten Pferdeernährungsberatung abstimmen.

Quellen

  • Kupferbedarf Pferd: 10 mg/kg TM nach GfE 2014: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
  • Zinkbedarf Pferd: 40 mg/kg TM nach GfE 2014: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.
  • Eisen antagonisiert die Kupfer- und Zinkabsorption (Antagonismus): National Research Council: Nutrient Requirements of Horses, 6th revised edition. National Academies Press, Washington D.C. 2007.
  • Standardheu liefert typischerweise 5–8 mg Cu/kg TM und 20–30 mg Zn/kg TM (Orientierungswerte): Coenen, M. & Vervuert, I. (Hrsg.): Pferdefütterung, 5. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 2020.
  • Cu:Zn-Verhältnis im Futter sollte ca. 1:3 bis 1:4 betragen: National Research Council: Nutrient Requirements of Horses, 6th revised edition. National Academies Press, Washington D.C. 2007.