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Stoffwechsel & Gesundheit

EMS beim Pferd: NSC-arme Ration Schritt für Schritt

Von Rationsrechner Pferd Redaktion6 Min. Lesezeit
Pferd mit EMS — NSC-arme Ration

Wichtiger Hinweis: EMS ist ein tierärztlich zu diagnostizierendes und zu begleitendes Krankheitsbild. Dieser Artikel vermittelt allgemeine Ernährungsinformationen und ersetzt keine tierärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle Fütterungsberatung. Alle Maßnahmen bei einem EMS-Pferd bitte immer in Absprache mit einem Tierarzt umsetzen. Der Rationsrechner ist für Pferde mit EMS nur als ergänzende Orientierung und nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage geeignet.

Dein Pferd ist rund, energiegeladen, manchmal etwas lethargisch und der Tierarzt spricht von Insulinresistenz oder EMS. Oder du suchst präventiv, weil dein Pony wieder diesen auffällig gepolsterten Kamm entwickelt. Equines Metabolisches Syndrom ist bei Freizeitpferden und Ponys weit verbreitet, und die wichtigste Stellschraube ist immer dieselbe: die Ration.


Was ist EMS beim Pferd?

Equines Metabolisches Syndrom (EMS) ist ein Stoffwechselzustand, der vor allem durch Insulinresistenz gekennzeichnet ist. Das Pferd produziert Insulin, reagiert aber schlechter darauf. Als Folge steigt der Blutzucker nach der Futteraufnahme stärker und länger an als bei einem gesunden Pferd.

Wie entsteht EMS?

EMS entwickelt sich häufig durch chronisches Überangebot an Kohlenhydraten, Übergewicht oder genetische Veranlagung. Der Körper muss immer mehr Insulin ausschütten, um die Glukose in die Zellen zu transportieren. Mit der Zeit werden die Zellen weniger empfindlich: die Insulinresistenz entsteht. Dieses Problem spielt sich nicht nur im Blut ab, sondern hat ernsthafte Konsequenzen: Das erhöhte Insulin im Blut verstärkt Entzündungsreaktionen, fördert Hufrehe und verschlimmert das Übergewicht.

Typische Anzeichen für EMS:

  • Übergewicht oder "easy keeper" (hält Gewicht trotz wenig Futter)
  • Fettdepots an charakteristischen Stellen: Kamm, Schulterblattregion, Schweifansatz
  • Rund geformter, wattierter Kamm ("cresty neck")
  • Vorgeschichte mit Hufrehe oder erhöhtes Hufrehe-Risiko
  • Träger, niedrige Leistungsbereitschaft oder plötzliche Mattheit
  • Bestimmte Rassen und Typen sind anfälliger: Ponys, Cob-Typen, Islandpferde, Friesen, Haflinger, Quarter Horses

EMS ist kein Urteil. Es ist ein Zustand, der mit der richtigen Fütterung und Bewegung sehr gut kontrolliert werden kann. Der wichtigste Schlüssel ist die NSC-Kontrolle.


NSC-arme Ration Schritt für Schritt

NSC (Non-Structural Carbohydrates) umfasst Stärke, Zucker und Fruktan, die Kohlenhydrate, die Insulinausschüttung triggern. Für EMS-Pferde gilt:

SituationNSC-Richtwert in der Gesamtration
EMS, gut eingestellt, kein aktives Hufrehe-Risiko≤12 % NSC in der Trockenmasseration
EMS mit aktivem Hufrehe-Risiko≤10 % NSC
Akute Hufrehe≤6 % NSC, Notfütterung
Gesundes Pferd, Prävention≤15 % NSC

Richtwerte basieren auf gängigen NSC-Grenzwerten der Fachliteratur (Frank et al. 2010).

Schritt 1: Heu analysieren lassen. Du kannst den NSC-Gehalt deines Heus nicht erraten. Eine LUFA-Analyse kostet 30–60 € und ist die Grundlage aller weiteren Entscheidungen.

Schritt 2: NSC-armes Heu auswählen. Ziel für EMS-Pferde: Heu mit ≤10 % NSC auf Trockenmassebasis. Spätschnitt-Heu (2. oder 3. Schnitt) hat tendenziell weniger NSC als Erstschnitt.

Schritt 3: Heu einweichen bei Unsicherheit. Wenn du das Analyseergebnis nicht hast, aber das Risiko verringern willst: Heu 30–60 Minuten in kaltem Wasser einweichen, danach gründlich abtropfen lassen. Das reduziert den wasserlöslichen Zuckeranteil um 20–30 %.

Schritt 4: Heumenge nicht zu stark reduzieren. EMS-Pferde brauchen ausreichend Rohfaser für eine gesunde Darmflora und Magengesundheit. Mindestens 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht täglich (GfE-Richtwert). Zuckerarmes Heu ad libitum ist besser als wenig Heu mit Heunetz-Restriktion, solange das Pferd nicht zunimmt.

Schritt 5: Kraftfutter eliminieren oder stark reduzieren. Für die meisten EMS-Pferde gilt: Kraftfutter raus. Hafer, Mais, getreidebasierte Müslis haben NSC-Gehalte von 40–60 %. Selbst kleine Mengen können die tägliche NSC-Bilanz deutlich verschieben.

Schritt 6: Mineralfutter wählen, das NSC-arm ist. Ein getreidefreies, zuckerarmes Mineralfutter sichert die Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen ohne NSC-Belastung.

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Welches Heu eignet sich?

Nicht jedes Heu ist gleich geeignet. Die entscheidenden Faktoren:

Günstig für EMS-Pferde:

  • Spätschnitt-Heu (2. oder 3. Schnitt): weniger Zucker durch Wachstumsphase
  • Heu von artenreichen Wiesen mit hohem Gräseranteil, wenig Klee
  • Heu, das nachmittags gemäht und morgens geerntet wurde (niedriger NSC durch Nachtverbrauch der Pflanze)
  • Heu, das bei bewölktem Wetter wächst (weniger Zuckereinlagerung)

Eher ungünstig:

  • Erstschnitt-Heu: oft noch wüchsige Gräser mit hohem NSC
  • Heu mit hohem Kleeanteil: Klee ist zuckerreich
  • Silage und Haylage: sehr schmackhaft, oft zuckerreich, fördert Gewichtszunahme

Kraftfutter und EMS

Für die meisten EMS-Pferde gilt: kein Kraftfutter.

Warum? Kraftfutter ist konzentriert und schnell verdaulich. Eine Handvoll Hafer (ca. 500 g) kann 40–50 % Stärke enthalten: bereits 200 g Hafer sind 80–100 g NSC, das ist ein Drittel oder mehr der Tagesration für ein EMS-Pferd. Hinzu kommt der Fütterungsrhythmus: Wird Kraftfutter einmal täglich gefüttert, steigt der Blutzucker explosionsartig, statt über den Tag hinweg moderat zu bleiben.

Falls Kraftfutter trotzdem nötig ist (z.B. bei gleichzeitigem Proteinmangel bei alten Pferden, Leistungssportlern oder untergewichtigen Pferden): Nur spezielles NSC-armes Pferdefutter mit maximal 10–12 % NSC verwenden, niemals klassische Getreidemischungen. Gute Alternativen sind Luzerne-Pellets, Mash auf Basis von Rübenschnitzel ohne Melasse oder speziell entwickelte EMS-freundliche Mineralfutter-Komplexe.

Ausnahme für Leistungspferde mit EMS: Hier braucht es eine individuelle Rationsberechnung und tierärztliche Begleitung, da Energie- und NSC-Bedarf in Konflikt stehen können. Ein hochleistungs-Freizeitreiter kann möglicherweise mit zusätzlichen Fetten (Öle, hochwertige Fette) oder mit Timing-Strategien arbeiten statt mit Stärke.


Weidemanagement

Das klingt simpel, ist es aber nicht: Weidegras ist keine sichere Futterquelle für EMS-Pferde. Im Frühjahr (März bis Juni) und nach Kälteeinbrüchen enthält Gras besonders viel Fruktan, ein Zucker, den EMS-Pferde besonders schlecht tolerieren.

Warum ist Weidegras so problematisch?

Weidegras speichert Energie in Fruktan: Das ist ein Reservekohlenhydrat der Pflanze, das besonders leicht verdaulich und schnell im Blut verfügbar ist. Im Frühjahr, wenn Gras wächst, sind Fruktan-Werte oft 20–30 % der Trockenmasse. Zum Vergleich: Ein gutes Heu für EMS-Pferde sollte unter 10 % NSC haben. Eine viertel Stunde Weidegang im Frühjahr kann bereits mehr NSC bedeuten als eine ganze Ration aus Heu.

Weidemanagement für EMS-Pferde:

  • Im Hochrisiko-Zeitraum (Frühjahr März–Juni, Herbst nach Frost): Weidegang stark einschränken oder vollständig pausieren
  • Falls Weide notwendig: Weidekorb oder Grasmaulkorb nutzen, um die Aufnahmemenge zu limitieren
  • Nur morgens früh weiden (nach der nächtlichen Fruktanaufnahme durch die Pflanze), am sichersten zwischen 3:00 und 10:00 Uhr
  • Dürre, Stress und starkes Sonnenlicht erhöhen den NSC-Gehalt im Gras zusätzlich
  • Im Sommer und späten Herbst, wenn Gras nicht mehr aktiv wächst, ist die Fruktanbelastung meist geringer

Wann zum Tierarzt?

EMS ist eine medizinische Diagnose, keine Selbstdiagnose. Ein verdickter Kamm bedeutet nicht zwangsläufig EMS, es könnte auch eine andere Stoffwechselstörung sein. Geh zum Tierarzt, wenn:

  • Hufrehe-Anzeichen bestehen: Entlastungsstellung der Vorderhufe, Wärme in den Hufen, Lahmheit, Schwierigkeiten beim Wenden: Das ist ein medizinischer Notfall. EMS ist eine häufige Hufrehe-Ursache.
  • Das Pferd trotz konsequenter Rationsänderung nicht abnimmt: Nach 2–3 Monaten mit NSC-armer Ration sollte das Gewicht sinken. Wenn nicht, könnte Cushings Disease oder ein anderes Hormonproblem dahinterstecken.
  • Du Cushings Disease ausschließen willst: Ähnliche Symptome wie EMS (Übergewicht, schlechte Hufqualität), aber andere Behandlung. Ein ACTH-Test bringt Klarheit.
  • Du eine exakte Diagnose brauchst: Insulindynamik-Messung (Insulin-, Glukose- und ACTH-Werte) gibt Sicherheit und hilft bei der Prognose.

EMS und Cushings Disease (PPID)

Diese beiden Zustände werden leicht verwechselt und treten bei älteren Pferden nicht selten zusammen auf. EMS ist ein peripheres Insulinproblem (Zellen reagieren schlecht auf Insulin). Cushings Disease ist ein Hirnanhangsdrüsen-Problem, das generell zu schlechterer Hufqualität, Infektionsanfälligkeit und Übergewicht führt. Die Behandlung ist unterschiedlich: Bei EMS hilft NSC-Reduktion. Bei Cushings braucht es Medikamente (typischerweise Pergolide). Nur der Tierarzt kann mit Bluttests unterscheiden.


Ration für dein EMS-Pferd berechnen

Der Rationsrechner berechnet den NSC-Anteil deiner Ration und zeigt dir, ob du im sicheren Bereich bist. Trag dein Pferd als EMS-/IR-Pferd ein und gib deine Futtermittel an.

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Alle Berechnungen basieren auf dem GfE-2014-Standard und anerkannten NSC-Richtwerten. Bei bestehender Hufrehe oder Verdacht auf Cushings Disease immer tierärztliche Begleitung einholen.

Quellen

  • EMS (Equines Metabolisches Syndrom) — Definition, Insulindysregulation, Zusammenhang mit Hufrehe: Frank, N. et al. (2010): Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 24(3), 467–475.
  • NSC-Grenzwert für EMS-Pferde: unter 10 % TM: Frank, N. et al. (2010): Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 24(3), 467–475.
  • Insulindysregulation als zentraler Mechanismus bei EMS-assoziierter Hufrehe: Treiber, K.H. et al. (2006): Insulin resistance and compensation in Thoroughbred weanlings adapted to high-glycemic diets. Journal of Animal Science, 83(9), 2357–2364.
  • GfE-2014-Nährstoffbedarfswerte als Basis für Rationsberechnung: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.