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Cushing beim Pferd (PPID): Fütterung Schritt für Schritt

Von Rationsrechner Pferd Redaktion4 Min. Lesezeit
Älteres Pferd — Cushing PPID Fütterung

Das Fell wird lockig und lang, hängt im Sommer noch, wenn andere Pferde längst ihr Winterfell gewechselt haben. Der Bauch hängt etwas, die Muskeln am Rücken nehmen ab. Das Pferd trinkt mehr als früher, uriniert mehr, hat vielleicht schon zweimal Hufrehe gehabt. Wenn du solche Zeichen bei einem Pferd über 15 Jahren siehst, ist PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, im Volksmund "Cushing-Syndrom") eine der ersten Diagnosen, die der Tierarzt in Betracht ziehen wird.


Was ist PPID?

PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) ist eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Im mittleren Lappen der Hypophyse, der Pars intermedia, verlieren bestimmte Nervenzellen (dopaminerge Neuronen) mit dem Alter ihre Funktion. Diese Neuronen unterdrücken normalerweise die Aktivität von Zellen, die ACTH und andere Hormone produzieren. Ohne diese Hemmung produzieren die Zellen unkontrolliert.

Die Folge: dauerhaft erhöhte Cortisol-ähnliche Aktivität im Körper, veränderte Immunfunktion, gestörter Stoffwechsel.

Häufigkeit: PPID betrifft schätzungsweise 20–30 % aller Pferde über 15 Jahren (McFarlane 2011, Vet Clin North Am Equine Pract). Es ist die häufigste Hormonstörung bei Pferden. Viele Fälle werden spät oder gar nicht erkannt, weil die frühen Symptome unspezifisch sind.

Diagnose: Der Tierarzt misst ACTH im Blut, am besten im Herbst, da ACTH bei Pferden saisonal schwankt. PPID ist keine Diagnose, die du selbst stellen kannst.


PPID vs. EMS: Was ist der Unterschied?

PPID und EMS (Equines Metabolisches Syndrom) werden oft verwechselt. Sie können aber gleichzeitig auftreten.

PPIDEMS
UrsacheNeurodegeneration in der HypophyseInsulinresistenz, metabolisch
Typisches Alter>15 JahreJedes Alter, häufig 5–15 Jahre
GewichtsveränderungOft Gewichtsverlust (Muskelabbau)Oft Übergewicht
InsulinresistenzSekundär möglichPrimär
Hufrehe-RisikoErhöht (durch Cortisol-Wirkung)Erhöht (durch Insulinresistenz)
FellwechselstörungTypisch (lockiges Fell)Nicht typisch
BehandlungPergolid (Medikament) + FütterungNur Fütterung + Gewichtsmanagement

Ein Pferd kann PPID und EMS gleichzeitig haben, was das Management komplizierter macht.


Symptome erkennen

Frühe Zeichen (oft über Jahre schleichend):

  • Verlangsamter oder unvollständiger Fellwechsel, lockiges Langfell im Sommer
  • Zunehmendes Schwitzen ohne erkennbaren Grund
  • Muskelabbau an Rücken und Kruppe (trotz Futter)
  • Erhöhte Infektanfälligkeit (öfter Abszesse, schlecht heilende Wunden)
  • Polydipsie und Polyurie (viel trinken, viel urinieren)

Fortgeschrittene Zeichen:

  • Hängebauch durch Muskelschwäche
  • Wiederkehrende Hufrehe
  • Trägheit, Leistungsabfall
  • Abnorme Fettdepots (Nacken, über den Augen, Schweifansatz)

Fütterungsprinzipien bei PPID

Die Fütterung bei PPID muss zwei Anforderungen zusammenbringen, die sich zunächst widersprechen: den Zuckergehalt der Ration niedrig halten und trotzdem genug Energie liefern, damit das Pferd nicht weiter an Substanz verliert. Die folgenden Abschnitte gehen beide Seiten der Reihe nach durch.

Grundprinzip: NSC unter 10 % Trockenmasse

Wie beim EMS gilt: NSC (Nichtstärkekohlenhydrate: Zucker, Stärke, Fruktane) sollte unter 10 % der Trockenmasse gehalten werden. PPID erhöht das Risiko für sekundäre Insulinresistenz: die Laminitis-Gefahr bleibt real.

Praktische Konsequenz: kein frisches Frühjahrsgras (fructanreich), kein Getreide, kein melassiertes Müsli.

Wichtig: PPID-Pferde verlieren oft Gewicht

Anders als EMS-Pferde sind viele PPID-Pferde nicht zu schwer. Sie verlieren durch Muskelabbau und erhöhten Grundumsatz Gewicht. Die Energie muss also trotz NSC-Restriktion ausreichend sein.

Energiequellen, die mit NSC-Restriktion vereinbar sind:

  • Hochfaseriges Grundfutter (Heu mit niedrigem NSC, ggf. gewässert)
  • Pflanzenöl (Lein-, Raps-, Sonnenblumenöl; energiedicht, kein NSC)
  • Schalen- oder Rübentrockenschnitzel (in Maßen, auf Zuckergehalt achten)
  • Heusilage/Heulage (wenn NSC-Gehalt nachgewiesen niedrig)

Grundfutter sicherstellen

Pferde mit PPID brauchen kontinuierlichen Zugang zu Grundfutter: mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Heu pro Tag (Trockenmasse). Lange Fresspausen erhöhen den Stress, begünstigen Magengeschwüre und machen die Glukoseregulation schwieriger.

Der Rationsrechner berechnet NSC-Gehalt und Nährstoffversorgung für dein PPID-Pferd: Ration prüfen →

Heu wässern bei hohem NSC

Wenn das verfügbare Heu mehr als 10–12 % NSC enthält (Heuanalyse!), kann Wässern den NSC-Gehalt senken: 30–60 Minuten Einweichen in kaltem Wasser löst wasserlösliche Zucker heraus. Anschließend sofort verfüttern (kein Schimmeln).


Medikation: Pergolid

PPID wird medikamentös mit Pergolid behandelt, einem Dopaminagonisten, der die überaktive Pars intermedia hemmt. Pergolid ist keine Alternative zur Fütterungsanpassung, sondern eine Ergänzung.

Wichtig für die Fütterung: Pergolid sollte bei manchen Pferden nicht mit der Mahlzeit gegeben werden, da es anfangs Appetitlosigkeit auslösen kann. Dein Tierarzt gibt dir genaue Hinweise zur Verabreichung.


Weidemanagement

Weidezugang ist nicht grundsätzlich verboten, aber er muss gesteuert werden:

  • Kein unkontrollierter Weidegang auf fructan-reichen Flächen (Frühjahr, Herbst, nach Frost)
  • Weidemaulkorb oder zeitlich begrenzter Zugang (1–2 Stunden morgens nach dem Tau) reduzieren die Fructanaufnahme
  • Sandige, wenig gedüngte Weiden mit kurz abgeweidetem Aufwuchs sind sicherer als saftiges Frischgras

GfE-2014 und das PPID-Pferd

Die GfE 2014 hat keine spezifischen Tabellenwerte für PPID-Pferde. Als Ausgangsbasis gilt der Erhaltungsbedarf eines Pferdes entsprechenden Alters und Gewichts, mit folgenden Anpassungen:

  • Energie: oft höher als beim gesunden Pferd gleichen Gewichts (Muskelabbau, erhöhter Grundumsatz)
  • Protein: Lysin-Versorgung sicherstellen (hochwertige Proteinquellen: Soja, Luzerne in Maßen)
  • Mineralstoffe: besonders Magnesium, Zink, Kupfer; PPID-Pferde haben erhöhte Verluste
  • Vitamin E und C: PPID beeinträchtigt die Immunfunktion; antioxidative Versorgung prüfen

Eine individuelle Rationsberechnung ist bei PPID-Pferden noch wichtiger als beim gesunden Pferd.


Weißt du, ob die Ration deines PPID-Pferdes passt?

Der Rationsrechner berechnet NSC-Gehalt, Energiedichte und Nährstoffversorgung gegen den GfE-2014-Standard.

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Alle Berechnungen basieren auf dem GfE-2014-Standard. Die Diagnose PPID und die Pergolid-Dosierung sind ausschließlich veterinärmedizinische Entscheidungen.

Quellen

  • PPID betrifft schätzungsweise 20–30 % aller Pferde über 15 Jahren: McFarlane, D. (2011): Equine pituitary pars intermedia dysfunction. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 27(1), 93–113.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21392654/
  • PPID-Diagnose durch ACTH-Messung (basaler ACTH-Spiegel oder TRH-Stimulationstest): McFarlane, D. (2011): Equine pituitary pars intermedia dysfunction. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 27(1), 93–113.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21392654/
  • NSC-Restriktion bei PPID-Pferden: unter 10–12 % TM: Frank, N. et al. (2010): Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 24(3), 467–475.
  • GfE-2014 als Basis für Nährstoffberechnung: GfE — Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde. DLG-Verlag, Frankfurt 2014.